Wiese - Georgs - Gemeinde

Im das Jahr 1180 teilte der Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg die Stadt Soest - die zu Köln gehörte - in 6 Pfarreien ein. Diese entsprechen in etwa den "Hofen" der Stadt. Die "Nordhofe" erhielt 2 Pfarrbezirke: St. Georg und St. Maria zur Wiese.
Zum Bereich der Wiesenkirche zählten außerdem die Börde-Ortschaften: Lühringsen, Kutmecke, Thöningsen, Ellingsen, Balksen, Wehringsen und die Höfe auf der Katroper Höhe bis zu der Ansiedlung am Dörmen. Die südliche Grenze bildet der Soestbach.
Bis zum heutigen Tag ist diese Einteilung erhalten geblieben.

Die Wiese-Gemeinde ist älter als die Wiesenkirche. Ausgrabungen haben unter der Wiesenkirche die Fundamente einer romanischen Vorgängerkirche "Maria im Sumpf" (St. Maria in Palude) zutage gebracht.
Die ersten Pfarrer in der Wiesenkirche waren gleichzeitig Mitglieder des Patrokli-Stiftes und unterstanden dessen Dechant. Im Mittelalter war die Wiesenkirche Wallfahrtskirche. Das Marienbild, das heute in Werl - einer Nachbarstadt Soests - verehrt wird, wurde 1661 als Sühneleistung für einen Jagdfrevel von der Wiesenkirche nach Überführt. An diese Ereignis erinnert eine Stele vor dem Südportal, die aus Anlass der 350jährigen Wiederkehr im Jahre 2011 als ökumenisches Symbol mit der Inschrift "Maria auf dem Weg" errichtet wurde. Beim Bau der Kirche soll auch eine wundertätige Quelle der heiligen Anna, die der Legende nach die Mutter Mariens war, eine Rolle gespielt haben. Neben den Aufgaben, die St. Maria zur Wiese als Pfarrkirche zu erfüllen hatte, waren weitreichende übergemeindliche Aufgaben zu erfüllen. Jedem der in der Wiesenkirche betete, wurde von Papst Gregor XI. ein Ablass versprochen. Dies beurkundet ein Brief aus dem Jahre 1371. Zur Zeit der Reformation vertritt der Dominikaner-Mönch Thomas Borchwede, in seinem Predigtdienst, den er in der Wiesenkirche zu absolvieren hatte, um 1530 die reformatorische Lehre. Die Gemeinde der Wiesenkirche möchte gern evangelisch - lutherisch werden.
Bei den  heftigen Auseinandersetzungen ruft man schließlich den Herzog von Cleve als Landesherrn zur Hilfe und die Wiesenkirche darf - wie übrigens alle Pfarrkirchen der Stadt - evangelisch bleiben.
Die Pastoren der Wiesenkirche in der nachreformatorischen Zeit wurden meist vom Rat der Stadt Soest gewählt. Es gab dabei lange Zeit eine enge Verbindung zum Archigymnasium, weil viele Pfarrer Lehrer oder Rektoren des Gymnasiums waren. Lebendiges Gemeindeleben zeigte sich in dieser Zeit an den Sonntagnachmittagen, wo die Pfarrer Predigten mit Kinderlehre hielten. Es wird berichtet, dass die Kirche St. Georg bis auf den letzten Platz gefüllt war.
Die Nachmittagspredigten gingen vom Katechismus aus und endeten in Betstunden. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war Soest zu einer kleinen armen Landstadt geworden. Die vielen Kirchen in der Stadt, die bereits verfielen, konnten nicht mehr unterhalten werden. In Soest wurde 1822 beschlossen, auch die St. Georgs-Kirche abzubrechen und die Gemeinde mit der Wiesengemeinde zu vereinen.
Trotz großer Wehmut und Trauer feierte man am 4. Sonntag nach Trinitatis das Fest der Vereinigung in der Wiesenkirche und es wird berichtet, dass die Wiesenkirche die große Gottesdienstgemeinde kaum fassen konnte. In der Vereinigungsakte wurde festgesetzt, dass die Georgs-Gemeinde ferner für sich bestehen und erst nach dem Tod einer der beiden Prediger beide Gemeinden eine Einheit bilden sollten. Wichtig war allerdings, dass man sofort gemeinsam das Abendmahl feierte.
In der Folgezeit waren einige Pfarrer der Wiese-Georgs-Gemeinde Superintendenten der Soester Kreissynode. Julius Wiesmann (1837-53), dem wir den Aufbau der Türme verdanken, bekleidete zeitweise sogar das Amt des Präses des Kollegiums der Stadtverordneten (entspricht dem Bürgermeisteramt).

Pfarrer  Schrimpff  (1853-87)  widmete  sich dem Walpurgis-Kinderhaus und gründete die Gemeinde-Diakonie in Soest. Um 1900 übernehmen die Kandidaten des Predigerseminars die
Abendgottesdienste in der Wiesenkirche. Da die Gemeinde bis 1914 weiter stark anwuchs, beschloß man ein Gemeindehaus zu bauen. Am 13.06.1941 wurde die Kirche durch einen schweren Luftangriff stark beschädigt, so daß man nun die Gottesdienste gemeinsam in der Hohne-Kirche feierte. (Auch heute feiern wir unsere Gottesdienste im Winter gemeinsam mit der Schwester-Gemeinde in St. Maria zur Höhe).
1950 konnte die Kirche, die durch einen Bombenangriff im Dezember 1944 weiter zerstört worden war, nach großen Anstrengungen des Wiederaufbaus in einem Festgottesdienst durch Präses Wilm und in Gegenwart vom Bundespräsidenten Heuß wieder ihrer Bestimmung zugeführt werden. Die Gemeinde umfaßt heute 2.397 Mitglieder und verfügt über ein vielfältiges Angebot des Gemeindelebens.